Ein Druck kostet mehr als das verbrauchte Filament. Wer realistisch kalkulieren möchte, berücksichtigt auch Strom, Maschinenzeit, Vorbereitung, Nachbearbeitung, Verschleiß und fehlgeschlagene Drucke. Dieser Leitfaden zeigt eine nachvollziehbare Rechnung ohne versteckte Pauschalen.
Welche Kosten gehören in die Rechnung?
Für einen privaten Testdruck kann eine grobe Materialschätzung reichen. Sobald du Projekte vergleichen, Aufträge annehmen oder einen fairen Preis nennen möchtest, sollte die Rechnung diese sechs Bereiche getrennt erfassen:
- Material: tatsächlich verbrauchte Gramm aus dem Spulenpreis, ergänzt um Stützmaterial und Ausschuss.
- Energie: durchschnittliche Leistungsaufnahme des Druckers, Druckdauer und dein Strompreis.
- Maschinenzeit: der auf die Laufzeit entfallende Anteil von Kaufpreis und geplanter Nutzungsdauer.
- Arbeitszeit: Vorbereitung, Rüsten, Entfernen von Supports, Nachbearbeitung und Verpacken.
- Zusatzkosten: Einbauteile, Magnete, Schrauben, Verpackung, Versand und Marktplatzgebühren.
- Risiko: ein nachvollziehbarer Zuschlag für Ausschuss und Fehldrucke statt einer willkürlichen Reserve.
Die wichtigsten Formeln
Druckgewicht ÷ Spulengewicht × Spulenpreis
Leistung in kW × Druckstunden × Preis je kWh
Abschreibungsbetrag ÷ Nutzungsstunden × Druckstunden
Arbeitsminuten ÷ 60 × persönlicher Stundensatz
Zwischensumme × gewählter Risikoprozentsatz
Bei mehreren verkaufsfähigen Teilen auf einer Druckplatte verteilst du die gemeinsamen Kosten auf die tatsächlich nutzbare Stückzahl. Muss ein kompletter Drucklauf wiederholt werden, gehören Material, Strom und Maschinenzeit des fehlgeschlagenen Laufs ebenfalls in die Rechnung.
Praxisbeispiel: ein sechs Stunden langer Druck
Das folgende Beispiel ist bewusst transparent und keine allgemeine Preisempfehlung. Angenommen, ein Bauteil wiegt 120 g, die 1-kg-Spule kostet 24 €, der Druck dauert sechs Stunden und der Drucker benötigt im Mittel 120 W.
- Material inklusive 10 % Ausschuss
- 3,17 €
- Strom bei 0,35 €/kWh
- 0,25 €
- Maschinenanteil
- 0,96 €
- 35 Minuten Arbeit bei 20 €/h
- 11,67 €
- Hardware und Verschleiß
- 2,00 €
- Stückkosten inklusive 10 % Risiko
- 19,85 €
Das Beispiel macht sichtbar, warum „120 g Filament kosten 2,88 €“ keine vollständige Kalkulation ist. Besonders die eigene Arbeitszeit verändert das Ergebnis deutlich.
Stückkosten sind noch kein Verkaufspreis
Die Stückkosten beantworten zuerst nur, was Herstellung und Abwicklung kosten. Für einen Verkauf kommen je nach Situation Aufschlag, Mehrwertsteuer, Rabatt, Versand und Plattformgebühren hinzu. Entscheidend ist, Nettoerlös, Gesamtausgaben, Gewinn und Marge getrennt zu betrachten.
Fünf häufige Kalkulationsfehler
- Nur den Filamentverbrauch aus dem Slicer übernehmen.
- Druckerleistung mit dauerhaftem Maximalverbrauch verwechseln.
- Vorbereitung und Nachbearbeitung nicht als Arbeitszeit erfassen.
- Fehldrucke pauschal ignorieren oder doppelt berechnen.
- Verkaufspreis, Umsatz, Gewinn und Marge gleichsetzen.
Wie Extruno die Kalkulation unterstützt
Extruno führt Druckgewicht, Spulenpreis, Ausschuss, Druckzeit, Stromtarif, Druckerabschreibung, Arbeitszeit und Zusatzkosten in einer Aufschlüsselung zusammen. Für Verkaufsprojekte berücksichtigt die App außerdem Aufschlag, Rabatt, Mehrwertsteuer, Versand, Marktplatzgebühren, Gewinn und Marge. Die App befindet sich aktuell noch in Entwicklung und ist nicht öffentlich downloadbar.
Wie einzelne Spulen, Restmengen und Druckerfahrungen zusammenbleiben, zeigt der Ratgeber 3D-Druck-Filament verwalten.
Die Kalkulation gehört zum ganzen Druckprojekt.
Erfahre, wie Extruno Projekte, Filament, Drucker und Kosten an einem Ort verbindet.